Das Leben und die Eisenbahn im Hochschwarzwald

Ein Modell im Zeitfenster von  1934 bis 1936


Die Eisenbahn und das Leben im südlichen Hochschwarzwald in den 30er Jahren (Eisenbahn-Epoche 2), von Freiburg nach Neustadt und von Neustadt nach Bonndorf ist das Thema der Modelleisenbahnanlage im Maßstab 1:87, H0. Diese Modelleisenbahn ist in Offnadingen, einem Ortsteil der Gemeinde Ehrenkirchen, innerhalb von 14 Jahren entstanden. Initiator, Planer, Organisator und Erbauer des Rohbaus ist Dieter Bertelsmann. Die Anlage steht in einer Scheune von 1875 mit einer Grundfläche von  ca 19 x 9 m, auf einer Empore befindet sich das „Bahnhofsbuffet“ mit ca 6 x 9 m Fläche mit Platz für bis zu 18 Personen. Die gestaltete Fläche der Bahn mit Landschaft umfasst ca. 65m².

Planungsbeginn war 2000, das Thema und das Konzept sind im Verlauf von 2 Jahren durch viele Gespräche und Diskussionen mit Freunden und Eisenbahnexperten von einer Phantasieanlage mit Themen  „von der  Nordsee  bis zu den Alpen“ zu einer eng umrissenen Region im südlichen Hochschwarzwald mit einem Zeitfenster von 1934 bis 1936 geschrumpft. Das  Zeitfenster und die Region Hochschwarzwald bestimmten, welche Hersteller von Lokomotiven und Wagen ausgewählt wurden, das sind u.a. die Firmen Roco, Fleischmann, Liliput-Bachmann, Brawa.

Baubeginn war 2002 in der Scheune in Offnadingen. Der Unterbau bzw. Rahmen besteht aus ca. 40 Segmenten von max. 1 x 3 m in sog. offener Rahmenbauweise; auf den Rahmen wurden die Stützen für die Trassenbretter für den Gleisverlauf montiert. Dann folgte die Gleisverlegung auf den Trassenbrettern auf 10 mm Korkbettungen, in den Bahnhöfen auf 10mm Sperrholzplatten. Die Gleise  wurden mit 1 Meter langen Flexgleisen der Firma Tillig realisiert. Die Weichenbausätze sind von der Firma „Modellwerk“, die elektrischen Antriebe von Fa. „Bachmann NMW“, Signale von Fa. „Viessmann“.

Nach  der Fertigstellung der betriebsfähigen Anlage wurde die Anlage zerlegt und die Segmente in 4 Etappen nach Neustadt an der Donau transportiert, wo die Landschaft von Josef Brandl modelliert wurde. Das letzte von 5 Teilen – der alte Wiehrebahnhof in Freiburg - wurde Ende 2015 fertiggestellt.

Die Gebäude wurden von Thomas Oswald  in Lasertechnik aus Karton gefertigt. Jedes Gebäude gibt es heute  als Bausatz zu kaufen (MBZ-Modellbahnzubehör).

Umfangreiche Recherchen waren notwendig, um den Bauzustand, die Ansichten und Funktionen der Gleisanlagen und jedes einzelnen Gebäudes vor 80 Jahren genau zu ermitteln. Dazu gehören auch die Gärten mit ihren Zäunen, Hecken und Mauern, die Straßenbeläge, die Laternen, die Telegrafenmasten, Schilder, Kilometersteine und die Hintergründe. Für die Landschaftsgestaltung mußte Kartenmaterial beschafft werden und Informationen über die damalige Vegetation. Tausende von Fotos wurden gemacht.

Es gibt 3 Betriebsarten:

Die Basis ist eine digitale 2-Leiter DCC-Steuerung mit je einer Uhlenbrock Zentrale und Z21 von Roco. Die Anlage ist derzeit in 4 Boosterbereiche aufgeteilt, Rückmeldebausteine und Schaltdekoder sind von Fa. Littfinski.

  1. Automatische Steuerung mittels PC mit Software von iTrain, bis zu 6 Züge und mehr können gleichzeitig unterwegs sein.
  2. Manuelle Steuerung: die Züge werden mit sog. FRED Handreglern und Loconet (Ringleitung) gefahren, die Weichen u Signale werden von Hand gestellt.      
  3. Fahren nach Fahrplan: die Anlage wird wie bei No 2 manuell gesteuert. Der Betrieb wird nach vom Vorbild abgeleiteten Fahrplänen mit einer Mannschaft von bis zu 16 Personen abgewickelt. Der Fahrplan umfasst einen Tag mit 18 Stunden. In der Modellzeit beträgt die Spielzeit ca 4,5 Stunden.

Das  Besondere an dieser Anlage ist

  • das Zeitfenster von 1934 bis 1936, d.h. die Zeit vor 80 Jahren
  • eine sehr eng am Vorbild orientierte Darstellung der Landschaft der Gleisanlagen, der Gebäude und aller Einzelheiten, einschließlich des rollenden Materials.
  • Mit der Anlage ist ein zu 100% manueller Betrieb möglich, was für ein Betriebskonzept mit der Einbeziehung von Modelleisenbahnern sehr interessant sein könnte (z.B. am Wochenende auf ehrenamtlicher Basis)
  • daß viele Informationen recherchiert wurden über die Entwicklung  der Region und der Eisenbahn und viele „Geschichten“, welche die damaligen Gegebenheiten und Lebensumstände illustrieren. Viele der ca. 300 „Modellfiguren“ auf der Anlage sind mit  Namen bekannt. Diese „Geschichten“ könnten per „Audioguide“ vermittelt werden

So ist  hier ein Stück Eisenbahngeschichte entstanden und jeweils auch  ein Stück Dorf- und Stadtgeschichte der Gemeinden Freiburg, Neustadt, Lenzkirch und Bonndorf.

Im Gegensatz zu bekannten, zum Teil viel größeren Modellbahnanlagen, die sich mit Superlativen betr. die Anzahl der Züge, der Gebäude und  der Autos und sogar von Flugzeugen gegenseitig übertrumpfen, strahlt diese Anlage Ruhe und Beschaulichkeit aus und schafft tiefe Einblicke in das Leben der  30er Jahre,  wo es mehr Pferdefuhrwerke als Autos gab und die Bahn bis in die kleinsten Nebenbahnstationen praktisch alles transportierte, was die Menschen brauchten.

Es gibt bisher insgesamt 4 jeweils ca. 70 Seiten starke Hefte von „Eisenbahnjournal“ (Verlagsgruppe Bahn), in welchen nur diese Anlage und  die einzelnen Bauabschnitte detailliert beschrieben sind. In YouTube gibt  ein Video über  die Anlage https://www.youtube.com/watch?v=CuC_LPDG6uw hergestellt  von einem Freund aus  Indien und mir.

 Text von Dieter Bertelsmann